Die Lausitz an einen Tisch

Das Buch zum Projekt

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Die För­der­pha­se des Erzähl­pro­jekts „Die Lau­sitz an einen Tisch“ ist abge­schlos­sen – mehr als zwölf Mona­te vol­ler ein­drück­li­cher Erin­ne­run­gen und hoff­nungs­fro­her Per­spek­ti­ven. Das Pro­jekt­team, Erzäh­ler sowie Ver­tre­ter aus Poli­tik, Regio­nal­ent­wick­lung und Wirt­schaft fei­er­ten am 22. Sep­tem­ber 2016 gemein­sam die Pre­mie­re des Buches „Lau­sitz. Lebens­ge­schich­ten einer Hei­mat“ – sie ist die nie­der­ge­schrie­be­ne Sum­me der mehr als 32 Erzähl­sa­lons, die in den Pro­jekt­stand­or­ten statt­fan­den.

Das Buch steht Ihnen hier kos­ten­los als Down­load zur Ver­fü­gung.

Auch wenn die För­de­rung des Pro­jekts Ende Sep­tem­ber aus­läuft, bedeu­tet das nicht das Ende der Erzähl­sa­lons in der Lau­sitz. So lädt der Unter­neh­mer-Salon in Koope­ra­ti­on mit der Grün­der­werk­statt „Zukunft Lau­sitz“ wei­ter­hin jun­ge und erfah­re­ne Unter­neh­mer der Regi­on zum Erzäh­len ein. Die inner­halb des Pro­jekts aus­ge­bil­de­ten Salon­niè­ren und Salon­niers füh­ren die von ihnen selbst orga­ni­sier­ten Erzähl­sa­lons in ihren Orten fort. Über neue Ter­mi­ne kön­nen Sie sich hier infor­mie­ren.


Ein Film von Tan­ja Stol­ja­ro­wa über das Erzähl­pro­jekt in der Lau­sitz. Sie möch­te das Ver­an­stal­tungs­for­mat Erzähl­sa­lon auch in ihrer ukrai­ni­schen Hei­mat bekannt machen. Das Pro­jekt­team bedankt sich herz­lich bei ihr für die freund­li­che Bereit­stel­lung die­ses schö­nen Bei­trags.

Die Lau­sitz ist eine Regi­on, in der vie­les zusam­men­ge­bro­chen ist, aber auch vie­les neu ent­steht. Und ich kann an das anknüp­fen, was die par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tä­rin Iris Glei­cke gesagt hat: Wie kön­nen wir Din­ge auf­bre­chen, die­ses gemein­sa­me Mit­ein­an­der fin­den, wenn nicht über das Erzäh­len?“
Dr. Mar­ti­na Münch, Minis­te­rin für Wis­sen­schaft, For­schung und Kul­tur des Lan­des Bran­den­burg

Über das Projekt

Fünf Lau­sit­zer Orte – hun­der­te Geschich­ten, Per­spek­ti­ven, Sor­gen und Wün­sche. Das Pro­jekt »Die Lau­sitz an einen Tisch« lädt die Bewoh­ner von Ples­sa, Lauch­ham­mer, Mar­ga, Sed­litz und Gei­ers­wal­de ein, in Erzähl­sa­lons ihre Geschich­ten zusam­men­zu­tra­gen. Im Kul­tur­haus, in Club- und Ver­eins­häu­sern, Gast­stät­ten, Gemein­de- und Pfarr­häu­sern erzäh­len die Men­schen ein­an­der vom Leben in ihrer Hei­mat.

Impression aus der Lausitz: Tagebau Impression aus der Lausitz: Kanal

Alle fünf Orte eint, dass sie – wie die gesam­te Regi­on Lau­sitz – seit Jahr­zehn­ten zwei cha­rak­te­ris­ti­schen For­men des Wan­dels unter­wor­fen sind: dem Wan­del der Natur und dem Wan­del der Indus­trie. Aus der gewach­se­nen Lau­sit­zer Natur­land­schaft wur­den die Bra­chen der Braun­koh­len­ta­ge­baue, aus den Bra­chen wur­de eine Seen­land­schaft, die von der Natur zurück­er­obert und von den Men­schen als neue Hei­mat ange­eig­net wird. Kul­tur- und Natur­land­schaft in einem.

Einen ähn­lich gra­vie­ren­den Wan­del erleb­te die Indus­trie: Der Auf­schwung, den die Koh­le­indus­trie der Lau­sitz brach­te, erfuhr mit der poli­ti­schen Wen­de von 1989/90 einen jähen Ein­bruch: Betrie­be wur­den geschlos­sen, gan­ze Indus­trie­zwei­ge abge­wi­ckelt, die jun­gen Men­schen gin­gen in den Wes­ten – folg­ten der Arbeit dort­hin. Zurück blie­ben ver­las­se­ne Indus­trie­bau­ten und -bra­chen.

All die­sen Ver­än­de­run­gen schei­nen die Men­schen, die in der Lau­sitz leben, aus­ge­lie­fert zu sein, sie kön­nen ihnen nur wenig aus eige­ner Kraft ent­ge­gen­set­zen, müs­sen sich mit ihnen arran­gie­ren. Vie­le füh­len sich macht­los, abge­hängt – oder ein­fach nicht gehört.

Das Pro­jekt „Die Lau­sitz an einen Tisch“ bringt die Men­schen seit Som­mer 2015 zusam­men. Gibt ihnen in Erzähl­sa­lons eine Stim­me. Um vom Wan­del nicht über­rollt zu wer­den und sich das Neue tat­säch­lich aneig­nen zu kön­nen, müs­sen die Men­schen mit ihren Befürch­tun­gen und Sor­gen, ihren Hoff­nun­gen und Wün­schen, aber auch mit ihren Erin­ne­run­gen gehört und ernst genom­men wer­den. Es gilt, star­ke Gemein­schaf­ten auf­zu­bau­en. So las­sen sich neue Ide­en für eine lebens­wer­te Lau­sitz ent­wi­ckeln, so fin­den Men­schen zusam­men, die selbst poten­zi­el­le Trä­ger inno­va­ti­ver Pro­jekt­in­itia­ti­ven sind.

Impression aus der Lausitz: See Impression aus der Lausitz: Promenade

Die Bewoh­ner der Lau­sitz kön­nen so gewich­ti­ger Teil zukünf­ti­ger Struk­tur­ent­wick­lung wer­den, sie kön­nen sich ein­brin­gen bei der Bele­bung oder Umnut­zung von Indus­trie­an­la­gen und Brach­flä­chen. Dies gelingt jedoch nur, wenn orts­be­zo­ge­ne Geschich­te nicht aus­ge­löscht wird, son­dern durch ihre attrak­tivs­ten Zeug­nis­se in Erin­ne­rung bleibt, und wenn die Lau­sit­zer ihr gleich­zei­tig Inno­va­ti­ves, also ein­ma­li­ges Neu­es, hin­zu­fü­gen.

Krea­ti­ve und selbst­be­wuss­te Gemein­schaf­ten ent­wi­ckeln sich, wenn Men­schen ein­an­der ihre Geschich­ten erzäh­len und so von­ein­an­der erfah­ren: von ihrer Ver­gan­gen­heit, ihren Poten­zia­len und Kom­pe­ten­zen. Die Ver­an­stal­tungs­form Erzähl­sa­lon ist dafür das idea­le Mit­tel. In den Erzähl­sa­lons wird geleb­te Geschich­te gemein­schaft­lich zusam­men­ge­tra­gen. Hier spie­gelt sich im Klei­nen die gro­ße Geschich­te wider. Wer gemein­sam lacht und weint, wer im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes Gefüh­le teilt, schafft eine Basis für neu­en Zusam­men­halt. Alle Teil­neh­mer eines Erzähl­sa­lons sind gleich­be­rech­tigt. Jeder darf erzäh­len, jedem wird zuge­hört.

Für eine leben­di­ge Zivil­ge­sell­schaft ist es wich­tig, dass Men­schen aus ver­schie­de­nen Milieus zu Wort kom­men. Wer zunächst aus sei­ner Ver­gan­gen­heit erzählt und anschlie­ßend sei­ne aktu­el­len Befind­lich­kei­ten aus­drückt, der wird im Aus­tausch mit ande­ren auch Visio­nen für die Zukunft ent­wi­ckeln: Jung und Alt, Ein­ge­ses­se­ne und Zuge­zo­ge­ne, Unter­neh­mer und Ange­stell­te, Arbeits­lo­se und Rent­ner – alle kom­men zusam­men. An einen Tisch.

Impression aus der Lausitz: Biotürme Lauchhammer Impression aus der Lausitz: Schwimmende Häuser Geierswalde

Aus­ge­wähl­te Geschich­ten der Erzähl­sa­lons wer­den am vor­läu­fi­gen Ende des Pro­jekts, im Sep­tem­ber 2016, in einem Buch ver­öf­fent­licht. Die Erzähl­sa­lons sol­len damit aber nicht been­det sein. Salon­niè­ren und Salon­niers, die im Pro­jekt­ver­lauf aus­ge­bil­det wer­den, füh­ren die Salons fort und eta­blie­ren sie als Insti­tu­tio­nen des Aus­tauschs in ihren Orten. Neben den aus ihnen her­aus ent­ste­hen­den neu­en Gemein­schaf­ten und Initia­ti­ven wer­den sie den Men­schen in der Lau­sitz als Impuls­ge­ber und Iden­ti­täts­stif­ter die­nen.

Infor­mie­ren Sie sich auf die­sen Inter­net­sei­ten über Neu­ig­kei­ten des Pro­jekts. Wer selbst erzäh­len oder eige­ne Ide­en für The­men und Ver­an­stal­tungs­or­te vor­schla­gen möch­te, kann sich gern an das Pro­jekt­team wen­den. Neue Ter­mi­ne für Erzähl­sa­lons fin­den Sie unter Ter­mi­ne.

3 Gedanken zu „Die Lausitz an einen Tisch

  1. Der Erzähl­sa­lon ist eine ganz tol­le Sache. Es macht mir viel Spaß, auch Dank einer auf­fäl­li­gen Locker­heit. Unse­re Bür­ger las­sen dabei vie­le Blät­ter fal­len, ohne dabei an den Herbst zu den­ken. Unser Dorf hat wirk­lich Zukunft. Da sind in den letz­ten Jah­ren von Poli­ti­kern und vor allem den Stu­den­ten­teams nicht sel­ten Wor­te wie „Per­le der Lau­sitz“ oder reich­lich vor­han­de­ne „Poten­tia­le“ gefal­len. Dar­über zu plau­dern, wie sich die Sed­lit­zer die Zukunft vor­stel­len, wäre ein The­ma des Salons. Für den nächs­ten Salon soll­ten die Ver­ei­ne dar­auf ori­en­tiert wer­den.

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